So wenig bekannt die Lyrikerin Mascha Kaléko heute noch ist, so sehr
haben doch ihre Gedichte überlebt. Ihre Themen, der Alltag
in der Großstadt Berlin, die melancholische Suche nach dem
"sogenannten Glück" und immer wieder die Liebe und deren Scheitern
haben trotz der Zeitbezogenheit ihrer Gedichte nichts von ihrer
Aktualität eingebüßt. Ihr Ton erinnert an Kästner, heiter-melancholisch,
ironisch durchbrochen, und doch ist er vielleicht poetischer,
wehmütiger, insbesondere im Exil verzweifelter als der des "sachlichen
Romantikers".
So schwermütig wie ihre Gedichte bereits in jungen Jahren waren,
so tragisch verlief auch ihr Leben, geprägt von Verlusten und
Einsamkeit. Und dennoch konnten ihr alle Unbillen nicht die
Leichtigkeit und Schärfe, die Eleganz und ihren ironischen Spott
rauben, der so viele ihrer kleinen lyrischen Perlen auszeichnet.